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Werftporträt Saare Yachts

Fahrtenyachten von Saaremaa

Saare Yachts etabliert sich als Hersteller exklusiver Fahrtenyachten. Produziert wird auf der Insel Saaremaa in Estland. Wo liegt das Geheimnis der Schiffe?

 

Story und Fotos: Claus Reissig

 

Man könnte meinen, dass es eine solche Werft heute nicht mehr geben könne. Saare Yachts, gelegen in einem irgendwie viel zu großen Industriekomplex der Nachwendezeit auf der Ostseeinsel Saaremaa. Auf rund 3.000 Quadratmeter Fläche verteilen sich eine Handvoll Neubauten, teils bestehen die Böden aus Holz, durch die großen Fenster fällt Tageslicht herein.  Eigentümer Thomas Nielsen führt durch die Fertigung seiner Schiffe, seiner Saare Yachten – seit 2016 gehört ihm die Firma in Estland.

Knapp 30 Mitarbeiter fertigen bei Saare Yachts die qualitativ hochwertigen Fahrtenschiffe in einer Art halbindustrieller Manufaktur.”

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Knapp 30 Mitarbeiter fertigen die qualitativ hochwertigen Fahrtenschiffe in einer Art halbindustrieller Manufaktur. Der Umgang mit den Materialien ist fast hingebungsvoll, was nahezu völlig fehlt ist der Lärm und das Drängende einer Fabrik mit ihren Maschinen. Da sind die Größe einer postsozialistischen Produktionsstätte und die allgegenwertige Handarbeit eine ungewohnte Kombination. Yachtbau im Jahr 2018 müsste gefühlt industrieller sein – aber warum eigentlich?

Ehemals wurden hier Fischkutter gebaut, nach der Unabhängigkeit Estlands dann Finngulf Yachten, schließlich entstand die Marke Saare Yachts. „2008 habe ich mit der ersten Saare auf der Messe in Hamburg gestanden“, erzählt Thomas Nielsen von der Anfangszeit, „da mussten wir den Seglern noch erklären wo Estland überhaupt liegt.“ Was für Nielsen feststand, war, dass es hochwertige Yachten sein sollten. „Ich habe immer gesagt, dass sie vergleichbar sind mit den besten schwedischen Yachten“, betont der Werteigner, „auch wenn wir die ersten drei Jahre kein einziges Schiff verkauft haben.“

2008 habe ich mit der ersten Saare auf der Messe in Hamburg gestanden“, erzählt Thomas Nielsen, „da mussten wir den Seglern noch erklären wo Estland überhaupt liegt.”

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Für seinen Qualitätsanspruch kam ihm die Handwerkerehre der estnischen Mitarbeiter durchaus entgegen. „Die Leute wollen gute Sachen machen, das will ich auch.“ Das heißt, Fahrtenschiffe bauen, die sich nicht in erster Linie an einer rationalisierten Produktion oder möglichst vielen Gleichteilen orientieren, sondern semi custom gebaut werden, also nach Kundenwunsch. Nielsen gibt mit seiner Werft die Rümpfe vor, eine 38, eine 41 und eine 46 hat er mittlerweile im Angebot, auch der Innenausbau ist natürlich in gewisser Weise vorgegeben. „Wir zeigen unsren Kunden die Schiffe in der Fertigung und sagen: Das ist der Aufwand, den wir betreiben, innerhalb dessen können wir variieren.“

Da kann Saare Yachts erheblich mehr als die meisten andren Werften, vieles ist nach der Auslieferung der Yachten kaum noch zu sehen. Zum Beispiel der Innenrahmen aus GfK, der für die 46 allein schon eine halbe Tonne wiegt und mit dem das gesamte Schiff ausgesteift wird. „Wir könnten auch einen Stahlrahmen nehmen“, sagt Regattasegler Nielsen, „aber der gehört nicht in einen Kompositrumpf.“ Selbst dann nicht, wenn die Kunden das wollten, stattdessen wird der Rahmen von Hand anlaminiert, „…tagelang!“, wie Nielsen betont.

Für seinen Qualitätsanspruch kommt Nielsen die Handwerkerehre der estnischen Mitarbeiter durchaus entgegen: „Die Leute wollen gute Sachen machen, das will ich auch.”

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Weitere Beispiele sind ein aufwendiger Kielstummel, über den der Bleikiel seine Kraft in den Rumpf einleitet, oder die einlaminierte Scheuerleiste mit Edelstahlschiene oder die laminierte Rumpf-Deck-Verbindung, die zwar an Stabilität nicht zu überbieten ist, aber eine rationalisierte Fertigung des Innenausbaus größtenteils verhindert. Die meisten Teile werden einzeln an Bord getragen, eingepasst und eingebaut. Nichts scheint hier ohne die Suche nach der qualitativ besten Lösung zu entstehen.

„Alle Türen und Klappen entstehen einzeln in Sandwichbauweise, also mit einem leichten Wabenkern und einem Rahmen aus massivem Holz“, erklärt Betriebsleiter Peter Sääsk, „das macht sie leicht und verwindungssteif. Feuchtigkeit kann ihnen nichts anhaben.“ Darauf legt der Este wert: auch im Verborgenen steht bedingungsloser Qualitätsbau an erster Stelle, auch wenn ihn hinterher niemand sieht. „Schotten und Möbelteile werden erst an den Rumpf anlaminiert und später furniert“, erklärt Sääsk, „um kompromisslose Haltbarkeit zu erzeugen.“ Das macht keine andre Werft so.

Alle Türen und Klappen entstehen einzeln in Sandwichbauweise, also mit einem leichten Wabenkern und einem Rahmen aus massivem Holz.”

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„Da brauchen wir auch immer Kunden, die an uns glauben“, erzählt Thomas Nielsen, „2016 haben wir zum Beispiel die 46 entwickelt. Gemeinsam mit einem Kunden, der vorher schon selbst Werfteigner war und Bianca- und Mön-Yachten gebaut hatte. Er steuerte viele Ideen bei – das war ein echter Glücksfall!“ Trotzdem gingen die Verkäufe in dem Jahr runter, die estnischen Eigentümer verloren die Lust an Saare Yachts. „Sie waren halt keine Bootsbauer, sondern haben mit Firmen gehandelt“, grinst Nielsen heute über diese Zeit. In dem Jahr hat er Saare Yachts schließlich übernommen, ein Riesenschritt, aber aufgeben kam nicht in Frage.

Derzeit kommt die Werft mit einem Schiff auf den Markt, das kompromisslos auf kleine Crews ausgelegt ist, die Saare 38.2. „Im Grunde ein Schiff, das es ermöglicht so lange wie möglich gemeinsam unterwegs zu sein“, erklärt Nielsen, gerade ältere Segler seien auf einfache Bedienbarkeit und Sicherheit aus. „Ein Nischenprodukt, aber gerade deswegen uninteressant für Mitbewerber!“

Der Innenrahmen aus GfK, der für die 46 allein schon eine halbe Tonne wiegt, wird von Hand anlaminiert – tagelang!”

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Wie alle anderen Saares bekommt es eine reichhaltige Grundausstattung: Heizung, feste Scheibe vor dem Cockpit und ein Sprayhood. Rollmast und durchgelattete Elvström-Segel sind häufig gewünscht, genauso wie Bug- und Heckstrahler zum Anlegen. „Das ist alles sehr teuer“, sagt Nielsen, „eben immer oberstes Regal.“ Aber die Kunden möchten das genau so.

Werft: Saare Yachts OÜ, Sadama 10, EST–Nasva 93872, Internet: www.saareyachts.com

Vertrieb: Yachtsport Eckernförde, Vogelsang 20, 24340 Eckernförde. E-Mail: info@yse.de, Internet: www.yse.de

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